
Fahrhilfen plus Sozialkompetenz
Das Autohaus Elmshorn bei Hamburg, Vetragshändler von Audi und VW, verstärkt sein Dienstleistungsangebot für Menschen mit Handicap. Dazu gehören spzielle Mitarbeiterschulung und Kundenberatung durch einen fachlich versierten Rollifahrer.
Verkaufsleiter Jürgen Stein hat schon als junger Verkäufer in Berlin erste Erfahrungen mit technischen Fahr- und Bedienhilfen für Menschen mit Handicap gesammelt. Anfang der siebziger Jahre waren Fahrzeugumrüstungen häufig noch kein etabliertes Geschäftsfeld in den Unternehmen. "Spezielle Einbauten haben wir manchmal sogar bei einer Schmiede fertigen lassen, nachdem wir gemeinsam an Lösungen getüftelt haben", erinnert sich der gebürtige Rheinländer.
Heute ist Jürgen Stein im Autohaus Elmshorn Ansprechpartner und Berater für Menschen, die sich für ein behindertengerecht ausgestattetes Fahrzeug interessieren. Wirklich neu ist die Aufgabe für ihn nicht: Schon am bisherigen Standort an der Ostwestbrücke Elmshorn hatte das Autohaus die Leistungen eines Vertragspartners von Audi und VW angeboten. Jetzt, auf dem neuen Gelände im Gewerbegebiet an der Autobahn A23 in Kölln-Reisiek, gibt es mehr Platz und mehr Räume, um zusätzliche Aktivitäten zu entfalten und bestehende Projekte auf neue Beine zu stellen. 14.000 qm Ausstellungsfläche stehen insgesamt zur Verfügung.
Das Autohaus Elmshorn ist barrierefrei gestaltet und bietet behindertengerechte Einrichtungen und Parkplätze. Rund 120 Mitarbeiter arbeiten hier im Verkauf und Service von PKW und Nutzfahrzeugen. Das mittelständische Unternehmen gehört zur Gebrüder Schmidt Gruppe und verfügt neben dem Autohaus Elmshorn in Kölln-Reisiek noch über Filialen in Quickborn und Uetersen.
Norddeutscher VW-Stützpunkt
"Als norddeutscher Stützpunkthändler können wir Autofahrern mit Handicap eine Vielzahl maßgeschneiderter technischer Lösungen anbieten, um ihre Mobilität zu erhöhen, und auf das jahrelange Know-how eines rennomierten Autoherstellers zurückgreifen", sagt Jürgen Stein. "Wir profitieren unmittelbar von allen Aktivitäten in der Forschung, Produktion, Marketing und Vertrieb, die VW startet, um den Bereich der Handicap-Fahrzeuge weiterzuentwickeln und auszubauen".
Meist brauchen Menschen nach Unfällen oder Krankheiten ein speziell auf ihre Bedürfnisse angepasstes Fahrzeug. "Doch es kommen auch immer mehr Interessenten, die altersbedingt nicht mehr so beweglich sind wie früher und sich über technische Fahrhilfen wie Rollstuhlverladehilfen oder Einsteigserleichterungen erkundigen. Der Seniorenbereich ist ein großes Thema", beschreibt Jürgen Stein das Gros der Kunden. Seine Erfahrung: "Die technischen Möglichkeiten wurden so weiterentwickelt, dass heute kaum jemand wegen seines Handicaps auf Mobilität und Unabhängigkeit verzichten muss. Damit bleibt wertvolle Lebensqualität erhalten."
Beratung durch Rolli-Fahrer
In der fachlich fundierten Beratung vor Ort sieht der Verkaufsleiter eine Stärkes seines Hauses. So steht den Kunden mit Roman Pott einmal im Monat ein Fachberater zur Verfügung, der selbst Rollstuhlfahrer ist und weiß, worauf es in der Fahrpraxis ankommt. Der Sledgeeishockey-Spieler und selbststädige Berater für alle Fragen rund um behindertengerechte Umrüstung, Voraussetzungen und Finanzierungen, fährt einen umgebauten Volkswagen und ist rund 60.000 Kilometer im Jahr mit dem Auto unterwegs.
"Ein großer Vorteil ist, dass wir hier unseren Kunden vom Fahrzeug über die Fahrhilfen bis zum TÜV-Gutachten alles aus einer Hand bieten können", sagt Roman Pott. "Das spart viel Zeit und Kraft." Ein Auto, das in den Volkswagen-Produktionsbetrieben in Wolfsburg und Emden umgerüstet wird, hat nach Erfahrung des 35-Jährigen kaum eine längere Lieferzeit als ein Standard-Modell: "Die Lieferzeit hängt mehr vom Modell als von der Spezialausstattung ab."
Für maßgeschneiderte Lösungen, die das Ausstattungsprogramm des Werkes nicht berücksichtigen kann, arbeitet das Autohaus Elmshorn mit erfahrenen Partnern zusammen, die die Fahrzeuge für Aktiv- und Passivfahrer umrüsten.
Mobilitätsmesse in eigenen Räumen
Bei der Mobilitätsmesse im Herbst letzten Jahres konnten Interessenten im Autohaus Elmshorn verschiedene Fahrhilfen anschauen und umgebaute Fahrzeuge ausprobieren. Von der Großlimousine Touran bis zum Cabriolet VW EOS reichte die Palette der dort präsentierten Autos - ausgestattet mit Fahrhilfen wie Gasring, Handbediengeräten, Dreh- und Schwenksitzen oder Rollstuhl-Ladesystemen. "Diese Veranstaltung war mit Hunderten von Besuchern so erfolgreich, dass wir sie auf jeden Fall wiederholfen wollen", sagt Jürgen Stein.
Solche Gelegenheiten nutzt das Autohaus auch, um das umfangreiche Netzwerk auszubauen. Dazu gehören neben Behindertenverbänden und medizinischen Experten zum Beispiel eine Projektgesellschaft für Wohnraumanpassung und eine Fahrschule, die sich auf Fahrunterricht für Behinderte spezialisiert hat. Auch die Spitzensportlerinnen Kirsten Bruhn und Manuela Schmermund waren schon vor Ort und haben von ihren Erfahrungen als Autofahrerinnen mit Handicap berichtet. Wer ein umgerüstetes Auto benötigt, erhält so alle Infos aus einer Hand: wie man einen solchen Wagen bekommt, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, und wo es Unterstützung bei der Finanzierung gibt.
Mitarbeiter werden speziell geschult
Vieles ist heute technisch möglich, um die Mobilität per PKW zu gewährleisten. "Das allein wäre uns zu wenig", sagt Verkaufsleiter Stein. "Wir legen auch Wert darauf, die Sozielkompetenz unserer Mitarbeiter zu stärken und sie für den Umgang mit behinderten Kunden zu schulen. "Wie gehe ich auf einen Menschen im Rollstuhl zu? Wie erkenne ich, wann ich helfen muss und wann Hilfe nicht willkommen ist? Um Fragen wie diese ging es bei einer Mitarbeiterschulung im letzten Jahr. Verkäufer, Meister und Kollegen aus dem Büro übten unter fachlicher Anleitung eines Trainers und Rollifahrers selbst im Rollstuhl zu fahren und erlebten, wie man sich dabei fühlt, wenn man selbst sitzt und alle anderen stehen.
Menschen mit Handicap zu beraten ist für Verkaufsleiter Stein eine besondere Herausforderung und Freude, wie er sagt: "In den Gesprächen ist noch echte Beratung gefragt, die ja die Leidenschaft von uns Verkäufern ist." Und so wie sehr sich Menschen mit Handicap auf ihr neues Auto freuen können, erlebt ein erfahrener Verkäufer nicht alle Tage.
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